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Zählen / Simultanerfassung

Es wird vermutet, dass die Simultanerfassung eine wichtige Voraussetzung ist für das Erlernen von Rechnen (Ausbilden des Mengenbegriffes bzw. Zahlenverständnisses), sowie für Lesen und Rechtschreibung (Menschen berechnen beim Lesen unbewusst die Blicksprünge in Abhängigkeit der Wortlänge).
Eine genauere Beschreibung der Simultanerfassung und des Zusammenhanges mit Rechenschwäche finden Sie auf der Webseite Simultanerfassung und Rechenschwäche des BlickLabors.

Um diese Hypothese prüfbar zu machen, haben wir einen standardisierten Test der Simultanerfassung entwickelt, normiert und in einem Gerät "CountFix" implementiert.

Man bekommt eine bestimmte Anzahl (1 bis 9) von kleinen Kreisen für kurze Zeit zu sehen und muss dann durch Drücken der betreffenden Zahlentaste anzeigen, wieviele man gesehen hat. Gemessen werden die Prozentzahlen richtiger Antworten und deren Reaktionszeiten. Daraus lassen sich bestimmte Zahlen bestimmen, die ein Maß für die Leistung in diesem Test darstellen. Es kann geprüft werden, ob bei kleinen Symbol-Anzahlen die Reaktionszeit gleich lang ist, wie bei echter Simultanerfassung zu erwarten, bei wievielen Symbolen die Versuchspersonen beginnen mehr Fehler zu machen, wieviel zusätzliche Zeit pro zusätzliches Symbol benötigt wird u.v.a.


In der Abbildung ist die Alterskurve zu sehen. Sie zeigt, dass auch diese Seh-Fähigkeit sich nach Beginn des Schulalters noch deutlich weiter entwickelt. Auch im Alter von 13 Jahren ist der Wert für Erwachsene noch nicht erreicht. Ab einem Alter von 35 bis 40 Jahren ist die Entwicklung wieder rückläufig.

Rechenschwäche (Dyskalkulie)

Pädagogen berichten, daß rechenschwache Kinder Schwierigkeiten haben, zu benennen, wieviele Symbole auf einem Bild sind, das sie nur kurz gesehen haben. Rechenschwache Kinder können diese Aufgabe - wenn überhaupt - nur durch Abzählen lösen, während die anderen die Anzahl sofort nennen können. Bislang wurden solche Tests meist so durchgeführt, daß den Kindern Symbole auf kleinen Karteikarten kurz gezeigt wurden.

In der Abbildung sind die Alterskurven für die rechenschwachen Kinder im Vergleich zu den Kontrollkindern gezeigt. Links sind die Reaktionszeiten gezeigt, rechts die effektive Erkennungsgeschwindigkeit. Man erkennt die deutlichen Entwicklungsrückstände. In Abhängigkeit vom Alter sind bis zu 80% der rechenschwachen Kindern dieser Seh-Schwäche betroffen.

Man kann vermuten, dass es ihnen schwer gefallen sein könnte, den Zahlbegriff zu entwickeln. Sie sind über den Begriff der Zahl EINS nicht hinausgekommen und können daher immer nur EINS dazu ZÄHLEN, statt Gruppen zu bilden, die sie dann addieren könnten. Ihnen fehlt die Vorstellung der Menge, die eine Zahl darstellt, mit den Ziffern und mit den Zahlwörtern haben sie kein Problem.

Übrigens findet sich dieses Defizit auch in der eigentlichen Simultanerfassung von nicht mehr als 4 Reizen: sogar bei der Entscheidung, ob es sich um einen oder zwei oder drei Reize handelt, brauchten sie länger und gaben mehr falsche Antworten.

Interessanterweise findet man auch bei etwa 50% der Kinder mit einer Legasthenie (Dyslexie) Entwicklungsrückstände in der Simultanerfassung. Die Alterkurven sehen sehr ähnlich aus. Vermutlich können sie die Anzahl der Buchstaben, die sie zu einem Wort oder zu einer Silbe zusammenziehen sollten nicht so gut einschätzen wie die gleichaltrigen Kontrollkinder.

In jedem Fall fehlt diesen Kindern eine wichtig Sehfähigkeit, die nicht mit der Fovea erbracht wird, sondern mit parfovealem Sehen. Man geht davon aus, dass diese Art des Sehens auf parietale oder inferotemporale corticale Funktionen zurückgreift.

Training

Um diese Schwäche zu beheben, wurde ein Trainingsverfahren in einem tragbaren kleinen Computer entwickelt und mit rechenschwachen Kindern erprobt. Das Resultat: etwa 70% der Kinder, die das Training durchlaufen hatten, konnten sich nach einem 3 wöchigen täglichen Training sowohl in den Reaktionszeiten als auch in der Anzahl richtiger Antworten deutlich verbessern. Die Grafiken zeigen die Zählkurven vor (rot) und nach (grün) dem Training für eine Gruppe von 9 und 10-jährigen Kindern.

Derzeit geht man davon aus, dass legasthenische Kinder eine ähnlich hohe Erfolgsquote erzielen können.

Eine Studie zeigt, dass rechenschwache Kinder nach dem Training mehr von Rechen-Unterricht profitieren, als Kinder, die nicht trainiert haben.

Studien / Literatur-Hinweise

Studie zu Training der Simultanerfassung und RechnenLernen

Burkhart Fischer, Andrea Köngeter, and Klaus Hartnegg
Effects of Daily Practice in Subitizing and Visual Counting in Dyscalculy

Burkhart Fischer, Christine Gebhardt, and Klaus Hartnegg
Subitizing and Visual Counting in Dyscalculy

Burkhart Fischer, Christine Gebhardt and Klaus Hartnegg
Age Effects in Visual Number Subitizing and Counting

Fischer B, Schäfer J (2002)
Die Entwicklung der Simultanerfassung bei Rechenschwäche
die AKZENTE, Heft 57, Seiten 50-52


 © 2000-2006 Arbeitsgruppe Optomotorik der Universität Freiburg