Arbeitsgruppe Optomotorik
Aktives Sehen
Eine visuomotorische Koordinationsleistung des Gehirns
Burkhart Fischer, Heike Weber, Monica Biscaldi, Stefan Gezeck
Index:
Das menschliche Auge besitzt in der Mitte der Netzhaut (Retina) eine
Stelle des schärfsten Sehens, die Netzhautgrube oder Fovea. Was wir
genau erkennen wollen, müssen wir mit der Fovea anschauen. Das
heißt, wir müssen unseren Blick darauf richten, ihn also von
einer Stelle, auf die er gerade gerichtet ist, auf diese neue Stelle
richten. Diese alltägliche und uns selbstverständlich
erscheinende Tatsache ist aber keineswegs "selbstverständlich". In
der Sehforschung hat man sich lange gefragt, wie das Bild, welches durch
die Hornhautkrümmung und die Augenlinse optisch auf die Netzhaut
abgebildet wird, in das Gehirn übertragen und als einheitliches
Ganzes wahrgenommen wird. Irgendwie war klar, daß die jeweils
angeschauten Dinge vom Gehirn "bevorzugt behandelt" wurden
gegenüber den jeweils gerade nicht angeschauten Dingen, obwohl uns
dies nicht unmittelbar bewußt ist und erst bei näherer
Betrachtung als Besonderheit auffällt. Andererseits müssen
aber auch Reize, die zunächst nur aus dem Augenwinkel gesichtet
werden, besonders behandelt werden, damit nämlich einer und nur
einer von ihnen als nächstes Blickziel ausgewählt und
angeschaut werden kann. Wegen der anatomisch-physiologisch festgelegten
Konstruktion des Auges und der Netzhaut müssen wir bei der
Erfassung des Sehraumes die Blickrichtung einerseits dauernd ändern
andererseits aber die Einzelbilder wieder zusammensetzen und den jeweils
nächsten Blicksprung vorbereiten. Die Klärung dieser
komplizierten Vorgänge im Gehirn beim aktiven Sehen ist die Aufgabe
der optomotorischen Forschung.
Zur Erfassung des zentralen Gesichtsfeld, also im fovealen Bereich der
Netzhaut, sind die Lichtrezeptoren und die retinalen Nervenzellen dort
am dichtesten gepackt. Die Fortsätze der Ganglienzellen, die ins
Gehirn ziehen, sind nach einer Umschaltung im Geniculatum Laterale mit
Zellen der Großhirnrinde verbunden. Man kann davon ausgehen,
daß relativ wenige Zellen für das periphere Sehen und damit
für einen entsprechend relativ großen Teil des Gesichtsfeldes
verantwortlich sind, während der relativ kleine Teil des zentralen
Gesichtsfeldes durch relativ viele Nervenfasern vertreten wird.
Gleichzeitig nimmt auch die Empfindlichkeit für Lichtreize und die
Sehschärfe von zentral nach peripher stark ab.
Untersuchungen an sehr vielen Ganglienzellen der Netzhaut haben in der
Tat gezeigt, daß der Einzugsbereich der Einzelzellen, ihr
rezeptives Feld, und deren Empfindlichkeit so miteinander verknüpft
sind, daß ihr Produkt im Mittel konstant ist (Fischer and May,
1970), obwohl beide Größen stark von der Exzentrizität
abhängen. Diese Invarianz stellte ein verblüffend einfaches
Funktionsprinzip der Netzhaut dar, welches - mathematisch
ausgedrückt - durch Normierung der rezeptiven Feldverteilungen auf
ihre Größe ausgedrückt wird.
Fig 1:
Veranschaulichung der logarithmischen Transformation der
Gesichtsfeldkoordinaten die "Hirnkoordinaten" (rechts). Die Einteilung
links ist so vorgenommen, daß die Flächenelemente (=
Einzugbereiche der Netzhautzellen) von innen nach außen zunehmen.
Diese Elemente sind nach der Transformation alle gleich groß. Dies
führt dazu, daß eine kleine Figur, die foveal angeschaut
wird, einen relativ großen Teil der visuellen Hirnrinde in
Anspruch nimmt. Derselben Figur steht dagegen ein relativ kleiner Teil
zur Verfügung, wenn sie peripher gesehen wird. Man erkennt auch die
Deformierung der Figur als Folge dieser Transformation.
Diesem Prinzip entsprechende mathematische Transformationen der
Gesichtsfeldkoordinaten in die "Hirnkoordinaten" wurden erstmals 1973
aufgrund von experimentellen Untersuchungen an Netzhautzellen angegeben
(Fischer, 1973). Es sind logarithmische Transformationen. Sie spielen
heute eine große Rolle für die theoretische Behandlung des
Sehprozesses und seines technischen "Nachbaus", z. B. in "sehenden"
Robotern. Die Transformationen sind so geartet, daß die Anzahl der
sich überlappenden Einzugsbereiche der Sinneszellen im gesamten
Gesichtsfeld konstant bleibt. Auch diese Prinzip ist verblüffend
einfach und wird im großen und ganzen unverändert auf die
Sehrinde übertragen. In der Figur 1 ist links das Gesichtsfeld und
seine Rasterung durch rezeptive Felder dargestellt. Durch die
Transformation entsteht die rechts gezeigte Struktur. Man erkennt die
beiden wesentlichen Eigenschaften dieser Transformation: (i) die
zentralen Bereiche des Gesichtsfelds nehmen einen überproportional
großen Bereich ein, während für die peripheren Bereiche
sehr wenig "Raum" zur Verfügung steht. (ii) die geometrischen
Figuren, so wie sie im Gesichtsfeld bzw. auf der Netzhaut vorliegen,
werden verschieden stark deformiert jenachdem, wo sie sich im
Gesichtsfeld befinden.
Die visuelle Hirnrinde erhält also ein schon durch die funktionelle
Netzhautanatomie bedingtes deformiertes "Bild", allerdings mit dem
Vorteil, daß das transformierte System, in den neuen Koordinaten
gesehen, nunmehr isotrop und damit einer linearen Analyse
zugänglich ist.
Für die gerade foveal abgebildeten Dinge stehen demnach sehr viele
Nervenzellen zur Verfügung. Für weiter entfernt in der
Peripherie liegende Dinge stehen vergleichsweise wenige zur
Verfügung, wir sehen sie schlecht, erkennen sie praktisch nicht und
müssen deshalb unsere Augen ständig mit mehr oder weniger
großen Blicksprüngen (Sakkaden) hin- und herbewegen, wenn wir
das gesamte Gesichtsfeld erfassen wollen.
Beim natürlichen Umherschauen macht der gesunde erwachsene Mensch
etwa 3-5 solche Sakkaden pro Sekunde, von denen jede zwischen 2 und 10
Grad groß ist. Dies entspricht etwa 20000 Blicksprünge pro
Tag. Dabei erreicht das Auge je nach Sprungweite Geschwindigkeiten von
bis zu 600 Winkelgrad pro Sekunde und jedesmal verschiebt sich dabei das
Bild auf der Netzhaut. Aber wir nehmen diese Verschiebung nicht wahr:
die Welt erscheint uns als ruhend.
Zwischen diesen Blicksprüngen ruht das Auge, es wird fixiert. So
wird das Gesamtbild gleichsam durch viele nacheinander von der Netzhaut
aufgenommene Teilbilder im Gehirn zu einer einheitlichen Wahrnehmung
zusammengesetzt und diese Zusammensetzung erfolgt kontinuierlich, indem
jeder weitere Blicksprung und dessen Folge für das Netzhautbild
berücksichtigt wird. Auf diese Weise entsteht der Eindruck des
Raumes um uns, in dem wir die Dinge nicht nur erkennen, sondern auch
lokalisieren und ihre relative Lage zu einander und in Bezug auf uns
selbst feststellen. Dies ist die Voraussetzung dafür, daß wir
uns in diesem Raum bewegen können.
Wahrscheinlich stehen im Gehirn sogar zwei verschiedene Systeme für
die Beantwortung der Fragen "WAS ist wo?" und "WO ist was?" zur
Verfügung (Mishkin et al. 1983).
Nachdem klar war, wie in etwa die retinale Information räumlich
zeitlich transformiert in die Hirnrinde gelangt, stellte sich als
nächstes natürlich die Frage, wie die peripher gesehenen und
im Cortex schwach repräsentierten Dinge durch Blicksprünge in
den fovealen Bereich gelangen, um dann von vielen Cortexzellen
bearbeitet werden zu können. Dementsprechend hat sich die
Forschungsrichtung der Arbeitsgruppe von der reinen Sehforschung auf die
Optomotorik ausgedehnt. Die im Laufe der Jahre ermittelten
experimentellen Daten fügen sich heute zu einem relativ klaren,
wenn auch komplexen Bild der Blicksteuerung zusammen.
Der ständige Wechsel zwischen Fixation und Sakkade wird durch einen
optomorischen Zyklus geleistet, der im allgemeinen automatisch und ohne
bewußtes Zutun im Gehirn abläuft: durch jeden Blicksprung
wird eine vorübergehende Fixationsphase eingeleitet, die durch den
nächsten Reflex beendet wird, dessen Ausführung wiederum eine
Fixationsphase einleitet. Wir können allerdings unsere
Blickrichtung auch willkürlich steuern, indem wir bestimmte Dinge
bewußt anschauen, andere bewußt nicht anschauen, oder indem
wir unseren Blick für längere Zeit fixieren. In der Regel
richten wir unseren Blick dorthin, wo wir etwas sehen, was unsere
Aufmerksamkeit auf sich zieht. Allerdings entsteht dabei die Frage, wie
denn etwas, was wir noch gar nicht erkennen konnten, unsere
Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann und wie diese gegebenfalls von einem
Punkt zu einem anderen geleitet wird.
Die Elemente des Zyklus sind: ein sakkadischer Reflex, ausgelöst
als Express Sakkade auf einen plötzlich sichtbar werdenden
Netzhautreiz, die Kontrolle dieses Reflexes durch die Wirkung der
Fixation fovealer Reize und durch die willkürliche Intention zur
Stabilisierung der Blickrichtung, die Wirkung von gerichteter
Aufmerksamkeit auf die Blicksprungbereitschaft und die Möglichkeit
zur Ausführung willkürlicher Blicksprünge. Die
Erforschung der Hirnfunktionen, die dem optomotorischen Zyklus und
seiner Steuerung zugrunde liegen, beinhaltet auch das Studium der
Entwicklung dieser Funktionen im Laufe des Lebens, ihre
Veränderungen durch Lernprozesse und ihren Ausfall bei
Teilleistungsstörungen (z. B. Legasthenie), bei
neurologisch-psychiatrischen Erkrankungen und bei Medikamenten- oder
Drogeneinnahme. Eine korrekte Funktion des Zusammenwirkens von
Sehprozessen und Blicksteuerung ist Voraussetzung in vielen Situationen
des Alltags. Besonders präzise muß dieser Zyklus steuerbar
sein bei der Bewältigung von Spezialaufgaben wie etwa beim Lesen
und Schreiben oder in bestimmten Sportarten.
Wir nutzen die Tatsache aus, daß der Ablauf von korrekten
Hirnfunktionen Zeit benötigt, d. h. wir messen Reaktionszeit und
Genauigkeit von Blicksprüngen. Der Zeitbedarf einer bestimmten
Teilfunktion wird zur Reaktionszeit beitragen oder nicht, je nachdem ob
diese Teilfunktion zur Durchführung der betreffenden Sakkade
benötigt wird oder nicht (Fischer et al. 1993).
Fig 2a:
Zeitlicher Ablauf der Gap- und der
Overlapbedingung dargestellt. Sie unterscheiden sich nur dadurch,
daß im Gapfall der Fixationspunkt vor dem Erscheinen des Reizes
verschwindet, während er im Overlapfall sichtbar bleibt. Mit der
Anweisung, in die dem Reiz jeweils entgegengesetzte Richtung zu schauen,
entsteht die sogenannte Antisakkadenaufgabe, der Antitask.
Die Augenbewegungen können heute berührungsfrei und vollkommen
gefahrlos unter infrarotem Licht gemessen werden. Ein Fixationspunkt,
rot und 0,1° groß, sowie die Reize, weiß und 0,2°
groß, sind z. B. auf einem Computerbildschirm darstellbar. Sie
wurden deutlich sichtbar im Abstand von 57 cm auf grünem homogenen
Hintergrund mit einer zeitlichen Genauigkeit von 1 Millisekunde
dargeboten. Die Blicksprünge waren meist 4° groß, die
Reaktionszeiten wurden beim Überschreiten von 15% der maximalen
Geschwindigkeit der Augenbewegung während der Sakkade festgelegt.
Fig 2b:
Schematische Darstellung zweier Augenbewegungen als Funktion der Zeit.
Die dünne Linie entspricht einer korrekten
Antisakkade, die dicke Linie einer falschen Prosakkade, die dann mit
einem doppelt so großen Blicksprung korrigiert wird.
Zwei verschiedene zeitliche Abläufe wurden benutzt, deren Sinn
weiter unten klar werden wird: die sogenannte Gap - Bedingung und die
Overlap - Bedingung (Fig. 2, oben). In beiden Fällen wurde der
Fixationspunkt für mindestens 1 Sekunde gezeigt. Im Gapfall wurde
er dann ausgeschaltet, bevor - 200 ms später - zufällig rechts
oder links ein Blickziel dargeboten wurde. Im Overlapfall blieb der
Fixationspunkt sichtbar.
Wahlweise zu diesen beiden zeitlichen Abläufen konnte die
Versuchsperson aufgefordert werden, den seitlich auftauchenden Reiz mit
einem Blicksprung anzublicken, also die sogenannte Prosakkaden-Aufgabe
durchzuführen, oder in die jeweils entgegengesetzte Richtung zu
blicken, also die sogenannte Antisakkaden-Aufgabe durchzuführen.
Die Antisakkaden- Aufgabe wurde zwar schon vor fast 20 Jahren in die
Forschung eingeführt (Hallett, 1978); (Hallett and Adams, 1980),
ihre weitreichende Bedeutung für die Forschung und die klinische
Anwendung wurde aber erst in letzter Zeit erkannt. Es stellte sich
nämlich heraus, daß nicht nur manche Kranke diese Aufgabe
nicht gut bewältigen können, sondern auch gesunde Erwachsene
und erst recht Kinder Schwierigkeiten haben, ihren Blick in die
ungewohnte Richtung zu wenden und den gewohnten Blick zu vermeiden.
Im unteren Teil der Figur 2 sind schematisch 2 Blicksprünge als
Funktion der Zeit dargestellt, wie sie in der Antisakkaden-Aufgabe
typischerweise vorkommen. Im Falle einer zunächst fehlerhaften
ungewollten Prosakkade folgt nach einer bestimmten Zeit eine
Korrektursakkade. In den hier besprochenen Fällen mußte jede
Versuchsperson mindestens 200 Durchläufe dieser Art absolvieren.
Für jeden Durchlauf wurde die Richtung, die Größe, die
Reaktionszeit und gegebenfalls die Zeit bis zur Korrektur einer
zunächst falschen Sakkade bestimmt.
Der Gapversuch hat sich in den letzten Jahren als besonders wertvoll
für das Studium der Blicksteuerung erwiesen, weil hier zum
Zeitpunkt des Blickwechsels kein Licht mehr in den fovealen Bereich der
Netzhaut fällt. Der Gapversuch wurde zuerst von Saslow im Jahre
1967 durchgeführt. Er fand, daß das rechtzeitige Löschen
des Fixationspunktes die Reaktionszeiten verkürzt im Vergleich zum
Overlapfall (Saslow, 1967). Wir haben diesen Versuch in einem anderen
Zusammenhang wiederholt. Es hat sich zunächst gezeigt, daß
das Ergebnis von Saslow zwar generell stimmte, aber bei genauerem
Hinsehen nicht richtig beschrieben ist.
Fig 3:
Verteilung von Reaktionszeiten in der Gapbedingung von zwei
Versuchspersonen (OK und ND). Werte von nach rechts und links gericheten
Sakkaden sind getrennt gezeigt. Man erkennt deutlich die Gruppe der
reflexhaften Express Sakkaden mit einem Gipfel bei ca. 100 ms.
Die Figur 3 zeigt - am Beispiel von zwei Versuchspersonen -
Reaktionszeitverteilungen (getrennt für Blicksprünge nach
links und rechts) aus dem Gapversuch. Man erkennt sofort, daß die
Verteilungen eine Struktur haben: sie bestehen aus mindestens zwei Moden
mit je einem Gipfel bei etwa 100 ms und einem zweiten bei etwa 150 ms.
Auch wenn diese Bimodalität nicht in jedem Einzelspektrum deutlich
ist, kann man die Gipfel anhand des Vergleichs mit anderen Verteilungen
identifizieren. Die Blicksprünge, die zum ersten Gipfel beitragen
wurden Express Sakkaden genannt, weil sie ihre Ziel so schnell erreichen
und zwar nicht aufgrund einer erhöhten Geschwindigkeit der
Augenbewegung sondern aufgrund einer kürzen Bearbeitungszeit im
Gehirn (Fischer and Boch, 1983);(Fischer and Ramsperger, 1984); (Fischer
et al. 1993).
Die weiteren Untersuchungen zur Entstehung des ersten Gipfels haben
gezeigt, daß die Optomotorik bei Primaten mit der Express Sakkade
tatsächlich über einen Reflex verfügt, mit dessen Hilfe
ein plötzlich auftauchender Lichtreiz extrem schnell angeschaut
werden kann. Dieser Reflex kann im Labor isoliert ausgelöst werden
und hat beim Menschen (beim Affen) eine extrem kurze und stabile
Reaktionszeit von etwa 100 ms (70 ms). Die reflexhaften
Blicksprünge bilden in den Reaktionszeitverteilungen der einzelnen
Personen oft eine gesonderte Gruppe, auch Mode genannt, aber
gelegentlich treten sie auch ausschließlich als eine Mode auf
(Gezeck et al. 1996). Bei manchen Menschen kann die Express Sakkade nur
ganz selten als Einzelreaktion beobachtet werden; sie verfügen
wahrscheinlich über ein besonders starkes Fixationssystem (s.
unten).
Die Express Sakkade war eine überraschende Beobachtung, die im
Laufe der Jahre von einer ganzen Reihe von Arbeitsgruppen weltweit
bestätigt wurde, nachdem sie zunächst auf heftige Zweifel
gestoßen war, die im Einzelnen zusammengetragen und
öffentlich diskutiert wurden (Fischer and Weber, 1993). Man hatte
bis dahin geglaubt, daß der Mensch mit seinen Augen nicht
schneller als nach etwa 140 ms reagieren könne, und war
gewöhnt, in der Reaktionszeit einen einheitlichen Wert zu sehen,
der lediglich gewissen statistischen "biologischen" Schwankungen
unterliegt, so daß man in Mittelwert und Standardabweichung eine
ausreichende Beschreibung und Maßzahl sehen konnte. Mit der
Entdeckung der Express Sakkade und der Multimodalität mußte
daher ein Umdenken stattfinden, das bis heute keineswegs abgeschlossen
ist.
Natürlich muß ein Reflex kontrolliert und in den Dienst eines
gesamten sensomotorischen Programs gestellt werden können, da wir
ihm sonst ausgeliefert wären und ständig gleichsam zwanghaft
hin- und herblicken würden (Weber et al. 1994). Tatsächlich
wird der Reflex sinngemäß gehemmt durch den Fixationsprozess,
mit dessen Hilfe der Blick auf einen bestimmten Reiz gerichtet und
stabilisiert bleibt. Der Blick wird erst wieder zu einer nächsten
Augenbewegung frei gegeben, wenn der Fixationsprozess unterbrochen, bzw.
aufgehoben ist (Weber et al. 1992); (Fischer and Weber, 1994); (Biscaldi
et al. 1995). Dies zeigt der Overlap- Versuch, bei dem der foveale Reiz
auch über den Blickwechsel hinaus sichtbar bleibt. Deswegen fehlt
die Express Sakkade im Overlapversuch in der Regel vollständig
(Mayfrank et al. 1986).
Selbstverständlich sollten wir unseren Blick auch dann
einigermaßen stabilisieren können, wenn wir kein sichtbares
Ziel haben. Wenn man daher den Gapfall so verändert, daß die
Versuchspersonen z. B. die zufälligen Farbveränderungen des
Fixationspunktes erkennen und am Ende eines Durchlaufs berichten
müssen, so sollte das Fixationssystem stärker gefordert sein
und die Zahl der Express Sakkaden sollte entsprechend dezimiert werden.
Dieses Ergebnis wurde auch tatsächlich beobachtet (Fischer and
Weber, 1994).
Schließlich zeigt sich, daß kleine Sakkaden, deren Ziel zu
nahe bei der Fovea erscheint, nicht vom Expresstyp sein können,
weil das Fixationsystem durch die Zielreize selbst angeregt und damit
eine Hemmung des Sakkadensystems in Gang gesetzt wird (Weber et al.
1992). Im Labor kann man zusätzlich die Treffunsicherheit der
Blicksprünge ausnutzen, um fest zu stellen, nach welcher Zeit die
Versuchspersonen ihre Fehler korrigieren. Auch hier zeigt sich die
Wirkung des Fixationssystems: werden nämlich kleine Fehler gemacht,
landet also die Fovea nahe beim angestrebten Ziel, und ist deswegen nur
eine kleine Korrektursakkade notwendig, so erfolgt diese Korrektur nach
relativ langer Zeit, denn das Fixationssystem wurde aktiviert und
verhindert eine raschere Reaktion. Ist der Fehler dagegen groß,
schaut die Versuchsperson z. B. aus Versehen in die falsche Richtung, so
können die Korrektursakkaden sehr rasch, etwa nach 100 ms erfolgen.
Es können sogar Express Sakkaden beobachtet werden, die vom Reiz
selbst ausgelöst sind und deshalb ohne weitere Verzögerung
nach der ersten (falschen) Sakkade beginnen (Fischer et al. 1993).
Diese unterschiedliche Reflexkontrolle für große bzw. kleine
Sakkaden hat den Sinn, daß Dinge, die zumindest in die Nähe
der Fovea und damit in den Vorzug der entsprechenden ausführlichen
kortikalen Bearbeitung gekommen sind, dort auch für eine bestimmte
Zeit bleiben, wohingegen Dinge, die noch zu weit entfernt sind,
möglichst schnell weiter transportiert werden können.
Im Gegensatz zur allgemeinen Auffassung wird die Expressreaktion auch
durch Aufmerksamkeit gehemmt, die willkürlich auf einen Reiz im
peripheren Gesichtsfeld gerichtet wird, der dann mit einer Sakkade
erreicht werden soll. Nach klassischer Meinung werden Reaktionen
begünstigt und die Reaktionszeiten verkürzt, wenn die
Zielreize schon vorher beachtet werden. Im Falle der Blickreaktion tritt
aber eine Hemmung des Reflexweges ein, die die mittelere Reaktionszeit
natürlich verlängert. Diese Hemmung ist sogar spezifisch
für den Ort im Gesichtsfeld, auf den die Aufmerksamkeit gelenkt ist
(Weber and Fischer, 1995), d. h. sie wird nur für die beachtete
Stelle wirksam, während unbeachtete Stellen sehr wohl mit Express
Sakkaden erreicht werden können. Auch hier muß also vor
einem Blicksprung der Prozess der Loslösung der Aufmerksamkeit
beendet werden (Fischer and Weber, 1993). Diese Reflexkontrolle hat den
Sinn, daß man aus dem Augenwinkel etwas beobachten und analysieren
kann, um eventuell entscheiden zu können, nicht dorthin sondern
woandershin zu blicken. Diese Fähigkeit der bewußten
Blickfixierung bzw. Freigabe ist in solchen Situationen von großer
Bedeutung, in denen wir z. B. etwas suchen.
Zusätzlich zur einer bewußten und willkürlichen
Aufmerksamkeitsausrichtung verfügt der Mensch auch über einen
eher automatischen Orientierungsreflex, mit dessen Hilfe die
Blickrichtung beeinflußt werden kann. Dieser Orientierungsreflex
wird im Experiment durch Hinweisreize angesprochen, die der
Versuchsperson schon kurz vorher (100 - 200 ms) sagen, wohin sie einen
Blicksprung machen soll. Sind diese Hinweisreize valide, zeigen also den
folgenden Zielort richtig an, so kommt es zu einer Vermehrung der
Express Sakkaden (Fischer and Weber, 1996); (Fischer and Weber, 1996);
(Cavegn, 1996), allerdings nur dann, wenn die Sakkaden auf
tatsächlich erscheinende Ziele gerichtet werden. In diesen
Fällen sind der automatische Orientierungsreflex und der
Willensimpuls gleichgerichtet und können sich gegenseitig
unterstützen. Dabei zeigt sich, daß die durch Hinweisreize
ausgelöste Aufmerksamkeitsorientierung auch in Expresszeit erfolgen
kann und denselben raschen Zeitverlauf besitzt (Mackeben and Nakayama,
1993).
Der gesunde Erwachsene kann willentlich in eine dem reflektorischen
Impuls, der in der Regel einem visuellen Reiz folgtt, entgegengesetzte
Richtung blicken (Fischer and Weber, 1992). Diese eigentlich sehr
einfache Aufgabe testet die Fähigkeit, den Blick willentlich zu
steuern. Obwohl die meisten Menschen subjektiv meinen, sie könnten
dies ohne große Schwierigkeiten leisten, machen sie doch eine
Reihe von Fehlern, indem sie zunächst zum Reiz schauen (Prosakkade)
um erst dann in die entgegengesetzte Richtung zu blicken. Besonders
anfällig für solche Fehler wird man im Gapversuch, weil dort
die hemmende Wirkung der Fixation bereits aufgehoben ist, wenn das
Kommando zum Blicksprung kommt. Durch tägliches Üben kann man
die Fehlerrate nur unwesentlich von ca. 15% auf knapp unter 10 %
drücken (Fischer and Weber, 1992).
Das Auftreten von Fehlern in der Antisakkadenaufgabe kann zwei
Gründe haben. Erstens kann es sein, daß das Fixationssystem
zu schwach ist in seiner Hemmwirkung, zweitens kann es sein, daß
der Einfluß des Willens zu schwach ausgebildet ist. Es
benötigt weiterer Tests oder zumindest weiterer Analysen der
Fehler, um zwischen diesen beiden Möglichkeiten zu unterscheiden.
Z. B. ist es möglich festzustellen, ob und wenn ja wann die Fehler
korrigiert wurden. Werden die Fehler meistens, d. h. in mehr as 90%
korrigiert, so spricht dies für eine Schwäche des
Fixationssystems, denn offenbar kann die Testperson sehr wohl
willentlich ihren Blick ausrichten, wenn auch in diesem Fall mit
"Umweg". Korrigiert sie die Fehler aber selten, so spricht dies für
eine mangelhafte Willenssteuerung des Blicks.
Nach allem, was wir bis jetzt schon wissen, verwundert es nicht mehr,
daß die korrekten Antisakkaden nicht vom Expresstyp sind, fehlt
ihnen doch der auslösende Reiz an der richtigen Stelle. Dieser
aktiviert nämlich die Nervenzellen in der entgegengesetzten
Hälfte des Gehirns und seine Wirkung muß irgendwie erst auf
die andere Seite übertragen werden. Daß dabei die
physikalischen Eigenschaften des auslösenden Reizes nur eine
geringfügige Rolle spielen, kommt daher auch nicht unerwartet.
Deutliche Einflüsse hat jedoch die Dauer des Gaps, denn sie
bestimmt, wieviel Zeit für die Loslösung der Fixation zur
Verfügung steht und ob - bei sehr langer Gapdauer - eventuell schon
eine neue Fixationsperiode eingeleitet wurde .
Versucht man, die Ausführung der willkürlichen Antisakkaden
durch Hinweisreize zu erleichtern, so ergeben sich - wiederum entgegen
aller Erwartung - verlängerte Reaktionszeiten und erhöhte
Fehlerraten (Fischer and Weber, 1996). Diese vollkommen
verblüffenden Effekte treten etwa 50-100 ms nach dem Hinweisreiz
besonders stark auf und sind nach 200-300 ms vorbei (Fischer and Weber,
1996); (Weber and Fischer, 1996). Diese Beobachtung stellt die
Aufmerksamkeitsforschung vor das Problem, daß nunmehr zwei
Komponenten unterschieden werden müssen, die sich nicht nur in
ihrem Zeitverlauf unterscheiden (Nakayama and Mackeben, 1989), sondern
auch im Vorzeichen ihrer Wirkung: die willkürliche und bewußt
steuerbare Komponente baut sich langsam auf (in ca. 300 - 500 ms) und
hemmt die Reflexe anhaltend, während die automatische Komponente
sich schnell aufbaut ( in ca. 100 ms), rasch vorübergeht und die
Reflexe bahnt.
Fragt man - auch geübte Versuchspersonen - am Ende eines jeden
Durchlaufs, ob sie meinen, die Antisakkaden-Aufgabe ohne "Umweg"
gelöst zu haben, so ergibt sich - sehr zum Erstaunen der Probanden
- eine erhebliche Fehleinschätzungsquote: in bis zu 80%
(Mittelwert ca. 50 %) der Durchläufe werden die "Umwege" nicht
bemerkt. Die Figur 4 zeigt die absoluten Fehlerraten (längs der
x-Achse) gegenüber der Quote der unbemerkten Fehler bezogen auf die
gesamte Fehlerrate aus 88 Versuchen mit verschiedenen Versuchspersonen
(Mokler, in Vorbereitung). Man erkennt, daß hohe Fehlerraten immer
auch mit hohen Fehleinschätzungen verbunden sind, nicht aber
umgekehrt: auch wenn nur wenig Fehler gemacht werden, kann es sein,
daß von diesen die meisten nicht bemerkt werden. D. h. die
reflexhafte Sakkade, ihre Korrektur und die beiden damit verbundenen
retinalen Bildverschiebungen bleiben in erstaunlich vielen Fällen
der bewußten Wahrnehmung unzugänglich. Die meisten, wenn auch
nicht alle dieser richtungsfalschen Blicksprünge werden als Express
Sakkade gemacht. Diese völlig unerwartete Beobachtung von
unwillkürlichen und unbewußt bleibenden Blicksprüngen
zeigt noch einmal eindrucksvoll den Reflexcharakter dieser
optomotorischen Reaktionen.
Wir sind gegenwärtig bemüht, die Umstände zu
klären, unter denen die Fehler bemerkt, bzw. nicht bemerkt werden
(Mokler, in Vorbereitung). Die Klärung dieser Frage kann
entscheidend dafür sein, zu lernen, wie die unwillkürlichen
Fehler vermieden werden können.
Fig 4
Die Fehlerrate und die Reaktionszeiten der richtigen Antisakkaden sind
vom Lebensalter abhängig. Besonders die Fehlerrate nimmt im Alter
zwischen 10 und 20 Jahren deutlich ab.
Es gibt Personen, die ihre Reflexe praktisch überhaupt nicht
unterdrücken können, auch dann nicht, wenn man ihnen einen
Fixationspunkt zur Verfügung stellt, an dem sie ihre Augen fixieren
könnten. Diese Menschen haben wahrscheinlich aus Gründen, die
bislang unbekannt sind, ein zu schwaches Fixationssystem. Man nennt sie
"Express Saccade Makers", weil sie in den meisten Fällen ihre
Blicksprünge als Express Sakkade durchführen (Biscaldi et al.
1996); (Cavegn and Biscaldi, 1996). Sie sind dementsprechend auch nicht
fähig, die Antisakkaden- Aufgabe direkt zu lösen, sondern sie
machen praktisch immer den "Umweg" über eine Prosakkade, die sie
dann allerdings korrigieren. Fordert man sie auf, ihren Blick zu
fixieren, wenn rechts oder links ein kurzer Lichtblitz sichtbar wird, so
können sie auch diese Aufgabe nicht erfüllen, sondern schauen
reflexhaft zu diesem Blitz und dann wieder zurück. Ob diese
Personen auch noch andere Unregelmäßigkeiten oder
Teilleistungsstörungen aufweisen, bleibt zunächst offen.
Allerdings wissen wir bereits, daß bei Kindern mit
übermäßig vielen Fehlern in der Antisakkaden-Aufgabe oft
eine Lesestörung vorliegt (sihe unten).
So wie andere motorische Fähigkeiten sich auch erst im Laufe der
Jahre voll entwickeln, so muß dies auch für die
okulomotorische Kontrolle der Blickrichtung vermutet werden. Wir haben
daher etwa 300 Personen verschiedenen Alters zwischen 8 und 65 Jahren
untersucht. Jede Testperson mußte 200 Prosakkaden und 200
Antisakkaden machen, jeweils 100 in jede Richtung, zufällig nach
rechts oder links. Bei den Prosakkaden blieb der Fixationspunkt sichtbar
(Overlapfall), um zu sehen, ob dennoch die reflexhaften Express Sakkaden
auftraten und wie groß die mittlere Reaktionszeit ist. Bei den
Antisakkaden wurde der Fixationspunkt 200 ms vor dem Reiz ausgeschaltet,
um zu sehen, wie erfolgreich die reflexhaften Prosakkaden
unterdrückbar sind und wie groß die Reaktionszeiten der
willkürlichen Sakkaden sind.
Fig 5
Hohe Fehlerraten in der Antisakkaden-Aufgabe sind immer verbunden mit
hohen Quoten von unbemerkten Fehlern, aber nicht umgekehrt: auch bei
geringer Fehlerzahl können diese zum großen Teil unbemerkt
bleiben.
Die Figur 5 zeigt die Altersabhängigkeit der Fehlerraten (linke
Seite des Bildes) und der Reaktionszeiten (rechte Seite). Während
die Maßzahlen der Prosakkaden nur eine schwache
Altersabhängigkeit zeigten (Daten hier nicht abgebildet), erkennt
man für die Antisakkaden- Aufgabe eine ganz erhebliche
systematische Entwicklung, die sich bis zum 20. Lebensjahr erstrecken
kann (Fischer et al. 1996). Besonders auffällig ist der Umstand,
daß Kinder noch sehr wenig effektive willkürliche Kontrolle
über ihre Blickrichtung haben: sie sind kaum in der Lage, die
Antisakkaden-Aufgabe ohne Fehler zu lösen, sondern scheinen ihren
Reflexen noch sehr stark ausgeliefert zu sein. Ob und wieweit die
Willkürkontrolle im höheren Alter wieder abnimmt, ist noch
unklar und wird gegenwärtig bei uns untersucht. Das System zur
Fixation ist dagegen vergleichsweise früh entwickelt. Schon
Säuglinge im Alter von wenigen Monaten zeigen Anzeichen dafür,
daß sie ihren Blick fixieren können (Johnson, 1995).
Es sieht so aus, als wenn sich die Fixation einerseits und die
willkürliche Blicksteuerung andererseits in verschiedenen
Lebensabschnitten entwickelt und dementsprechend auch durch getrennte
neuronale System gewährleistet wird. Patienten mit unilateralen
Frontalhirnläsionen sind tatsächlich nicht in der Lage,
Antisakkaden zu erzeugen (Guitton et al. 1985). Man hat daraus
geschlossen, daß die Willkürmotorik der Augen eine frontale
Hirnfunktion ist. Die Fixation dagegen wird offenbar durch parietale und
tektale Strukturen garantiert.
Der Leseprozess setzt eine praktisch perfekte Blicksteuerung voraus. Die
Augen müssen in genau vorausberechneten Sprüngen entlang der
Zeile geführt werden. Am Ende der Zeile muß ein großer
Rücksprung erfolgen, der richtig am Beginn der nächsten Zeile
landet. Fehlerhafte Blicksprünge ziehen eventuell
Rücksprünge nach sich, erschweren den Lesefluß,
führen zu Auslassungen oder falschen Leseergebnissen und
können den Leselernprozeß schwer behindern, wenn nicht sogar
vollständig blockieren: es kommt - so der hypothetische Ansatz -
zu einer mehr oder minder stark ausgeprägten Legasthenie trotz
normal oder sogar überdurchschnittlich ausgebildeter Intelligenz.
Wir haben diese in der Literatur umstrittene Hypothese getestet. In
unseren Untersuchungen mußten die Kinder mit ihren Augen eine
Reihe von Lichtpunkten unter verschiedenen Bedingungen abtasten, wobei
keine Leseleistung erforderlich war. Zusätzlich wurden Kinder,
Jugendliche und Erwachsene mittels einer umfassenden psychometrischen
Testbatterie untersucht, um eine umschriebene
Lese-Rechtschreibschwäche feststellen und genauer bestimmen zu
können. Eine Faktoren- und eine Diskriminanzanalyse wurde zur
Analyse der Daten von etwa 100 Kontrollpersonen und etwa 100
legasthenischen Testpersonen angewandt und ergab die Einteilung der
Legastheniker in zwei Gruppen, D1 und D2. Die Faktorenanalyse der
psychometrischen Daten ergab, daß Lese- und Schreibleistungen von
sehr schweren Störungen über leichtere Ausfälle
kontinuierlich in die Leistungen der Kontrollpersonen übergehen.
Die Diskriminanzanalyse der optomotorischen Variablen klassifizierte 78%
der Personen korrekt in ihre psychometrisch ermittelte Gruppe, wobei
einige der Variablen besonders stark zur Unterscheidung beitrugen und
mit den Leseleistung signifikant korrelieren. Dies bestätigt,
daß die Blicktüchtigkeit, wie sie mit nicht-kognitiven
Aufgaben gemessen werden kann, eine bisher unterschätzte Rolle
beim Lesen spielt. Mit den soweit entwickelten Verfahren läßt
sich für eine beliebige Person ein Legastheniefaktor und ein
Blickfaktor bestimmen, der angibt, welchen Anteil die
Blickschwäche an der Legasthenie hat.
Die Ergebnisse der Antisakkadenaufgabe zeigen, daß Legastheniker
generell mehr Fehler machen. Während einige Personen diese Fehler
nach relativ langer Reaktionszeit erzeugen, machen andere sie als
Express Sakkade. Diese letzteren Personen gehören
ausschließlich zur D2-Gruppe der Legastheniker. Ein Teil der
Ergebnisse wurde bereits veröffentlicht (Biscaldi et al. 1994);
(Fischer et al. 1993).
Aus Untersuchungen mit Affen und mit Patienten mit umschriebenen
Hirnläsionen wissen wir ziemlich gut, welche neuronalen Strukturen
an der Blicksteuerung beteiligt sind (Braun et al. 1992): für die
Aufrechterhaltung und Steuerung der Fixation sind intakte tektale und
parietale Struturen notwendig, für die korrekte Funktion der
Reflexe wird außer dem Hirnstamm zumindest die primäre
Sehrinde und das Tektum benötigt (Schiller et al. 1987); (Sandell
et al. 1984); (Boch, 1989). Die Willkürmotorik der Augen wird
dagegen durch frontale Strukturen gesteuert, wie kürzlich auch
durch transcraniale Stimulationsstudien belegt wurde (Muri et al. 1991).
Patienten mit Läsionen im Bereich der frontalen Augenfelder
produzieren in bestimmten Testsituationen fast ausschließlich die
reflexhaften Express Sakkaden. Auch fehlt ihnen die Fähigkeit zur
Ausführung prädiktiver Augenbewegungen in Reizsituationen, wo
der Ort des visuellen Reizes und damit auch die Richtung der
bevorstehenden Augenbewegung vorhersagbar sind. Patienten mit
Läsionen im Bereich des parietalen Cortex haben dagegen
Schwierigkeiten, sich vom Fixationsziel zu lösen, wenn dieses
sichtbar bleibt, während das Blickziel für die Sakkade
erscheint. Ihr Reaktionszeitspektrum zeichnet sich durch eine starke
Streuung aus und die für Normalpersonen charakteristischen
Gruppierungen fehlen (Weber et al. 1991). Die frontalen Kontrolle der
Reflexfunktion des Tektum erfolgt über die Stammganglien (Hikosaka
and Wurtz, 1986); (Wurtz and Hikosaka, 1986); (Hikosaka and Wurtz,
1985). Eine Übersicht findet der Leser bei (Fischer, 1987) und
eine Diskussion der funktionellen Zusammenhänge wurde zusammen mit
den Kommentaren der internationalen Fachkollegen vor wenigen Jahren
veröffentlicht (Fischer and Weber, 1993).
Um das Zusammenwirken dieser funktionellen Systeme zu verstehen,
muß die zeitliche Zusammenarbeit der beteiligten Hirnstrukturen
mit ihren großen Zahlen von Nervenzellen untersucht werden. Man
hat es mit einem hoch komplexen System zu tun, dessen Eigenschaften
nicht mehr ohne weiteres überschaubar sind. Mit Modellvorstellungen
und Computersimulationen versuchen wir zu verstehen, wie die
beobachteten Leistungen des intakten oder unvollständig intakten
Systems auf der Grundlage der bekannten anatomischen und physiologischen
Fakten erklärt werden können . Entsprechend den funktionellen
Systemen, die die Blickrichtungswechsel beeinflussen, wurde schon
relativ früh das sogenannte Drei- Schleifen-Modell (3-loop model)
vorgeschlagen (Rogal and Fischer, 1986). Dieser Ansatz konnte zwar
verständlich machen, wieso die sakkadischen Reaktionszeiten
verschiedene diskrete Werte annehmen können, konnte aber nicht
erklären, warum erstens jeder dieser Werte um einen Mittelwert
schwankt und warum zweitens auch in einem einzigen Versuch mehrere
dieser diskreten Werte auftreten können, was dann zu der
beobachteten Multimodalität führt. Erst als wir das
Drei-Schleifen-Modell in die Sprache der einzelnen (künstlichen)
Nervenzellen übertrugen und damit die Tatsache
berücksichtigten, daß die Nervenimpulse in statistischer
Folge erzeut und entsprechend weitergegeben werden, wurde auch diese
experimentelle Grundbeobachtung richtig wiedergegeben und in einer
natürlichen Weise verständlich (Fischer et al. 1995).
Allerdings hat auch dieses Modell noch Schwächen, die es für
eine breitere Anwendung, z. B. für die Angleichung seiner Parameter
an irgendwelche Versuchsergebnisse, ungeeignet erscheinen lassen. Hier
ist noch viel theoretische Arbeit notwendig, bei der die Kenntnisse und
Beschreibung stochastischer Prozesse, wie sie in ganz anderen
Fachgebieten vorkommen, besonders wertvoll sein können.
Die Erfassung der reflexhaften und der willkürlichen
Steuermöglichkeit der Augenmotorik ist heute mit Hilfe der Gap- und
Overlap-Anordnung in Verbindung mit der Pro- und Anti- Anweisung relativ
leicht möglich. Die Kenntnisse der funktionellen und anatomischen
Zusammenhänge bei der Steuerung bzw. Fehlsteuerung der Augen
können zusammen mit der Meßtechnik als zusätzliche
diagnostische Hilfe bei neurologischen, psychiatrischen und kognitiven
oder anderen Teilleistungsstörungen eingesetzt werden. Ansätze
hierzu gibt es bereits: bei Fehlfunktionen oder Ausfall des Frontalhirns
ist die willkürliche Kontrolle der Blickrichtung eingeschränkt
(Guitton et al. 1982); (Guitton et al. 1985). Die Patienten können
reflexhafte Sakkaden kaum unterdrücken und haben große
Schwierigkeiten, ihren Blick an eine Stelle zu richten, an der nichts zu
sehen ist. Bei bestimmten Formen der Schizophrenie (Levy, 1996) und bei
der Alzheimer'schen Erkrankung (Currie et al. 1991) treten ebenfalls
gehäuft Fehler in der Antisakkaden-Aufgabe auf. Auf die
Untersuchungen zur Legasthenie wurde schon oben hingewiesen. Eine
Übersicht über die Ergebnisse der klinischen Anwendung der
Antisakkaden-Aufgabe und deren neurologische Grundlagen wird derzeit zur
Veröffentlichung vorbereitet (Fischer und Everling, in
Vorbereitung), steht aber als Manuskript bereits zur Verfügung.
Weitere Anwendungsgebiete ergeben sich aus der Betrachtung von
Situationen, in denen eine Störung der Blicksteuerung, auch wenn
sie nicht Folge und Ausdruck einer Erkrankung sind, zu folgenschweren
Fehlverhalten führen können, wie z. B. beim Autofahren oder
beim Steuern eines Flugzeugs. Hier wäre es leicht möglich, die
Funktionstüchtigkeit der Blicksteuerung - kurz
Blicktüchtigkeit - in einfacher und rascher Weise zu testen. Ebenso
wäre es wichtig zu wissen, ob bestimmte Medikamente oder Drogen zu
eventuell sogar lang andauernden Einschränkungen der
Blicktüchtigkeit führen.
Umgekehrt sind in bestimmten Situationen besondere Fähigkeiten der
Blicksteuerung von nutzen und sollten deswegen besonders geübt
werden. So ist es in manchen Sportarten schlecht, wenn man auf jede
Finte hineinfällt oder mit dem Blick verrät, was man vorhat,
z. B. beim Boxen oder beim Fechten. In anderen Sportarten ist es
wichtig, die Augen über längere Zeit zu fixieren, z. B. beim
Schießen oder beim Tennisspielen. Auch der Baseball- oder
Golfspieler ist gut beraten, mit einer angepaßten Steuerung seiner
Blickrichtung die Voraussetzung für eine entsprechende Steuerung
seiner Bewegungen zu schaffen. Hier fehlen zwar noch Werte von
Spitzensportlern, die belegen, daß sie tatsächlich ihren
Blick in besonderer Weise beherrschen, aber diese Grundlagenarbeit ist
heute relativ schnell und leicht durchzuführen, wenn man eben diese
Sportler als Versuchspersonen zur Verfügung hat.
Bei der Anwendung der hier beschriebenen Verfahren ist es wichtig und
möglich, zwischen schwach ausgebildeter Fixation und mangelhafter
Willenssteuerung der Blickrichtung zu unterscheiden. Denn wie wir oben
gesehen haben, sind verschiedene Hirnstrukturen an diesen beiden
Funktionen beteiligt.
Unsere Kenntnisse der Blicksteuerung lassen sich in einem Schema
zusammenfassen und veranschaulichen. Die Figur 6 zeigt die bilaterale
Organisation des Sakkaden- und des Fixationssystems, die sich
gegenseitig hemmen. Ein hierarchisch höher angeordnetes
Aufmerksamkeitssystem mit einer räumlichen Organisation hemmt
ebenfalls das Sakkadensystem. Dazu kommt ein System für
bewußte Entscheidungen, welches zusätzlich in die
Blicksteuerung eingreift, damit ein ausgewählter Punkt fixiert bzw.
mit einer Sakkade angeschaut und anschließend fixiert werden kann.
Man muß sich vorstellen, daß jedes dieser Systeme durch eine
sehr große Zahl von Nervenzellen im Gehirn realisiert ist. Dabei
ist nicht garantiert, daß alle zu einem System gehörenden
Zellen in einer und nur einer anatomisch definierten Struktur zu finden
sind. Daher ist das Schema nur funktionell zu verstehen und ist trotz
seiner Komplexität eine sehr grobe Vereinfachung der wirklichen
Verhältnisse. Die Art der bisher erzielten Ergebnisse und die dabei
entwickelten Verfahren legen eine praktische Anwendung nahe, wie sie in
manchen neurologischen und psychiatrischen Institutionen bereits
durchgeführt werden.
Figure 6
Schematische Darstellung der funktionellen Systeme zur reflektorischen
und willentlichen Steuerung des Blicks. Die Linien stehen für
erregende Einflüsse, die dicken kurzen Endlinien für hemmende
Einflüsse. Einzelheiten im Text.
Um das System der Blicksteuerung im Einzelnen zu verstehen, arbeitet die
Gruppe "Optomotorik" mit verschiedenen Institutionen der
Universität eng zusammen. Die Modellansätze entstehen zusammen
mit dem Freiburger Zentrum für Datenanalyse und Modellbildung (FDM)
und die Studien zur Entwicklung des Augenbewegungssystems werden derzeit
ergänzt durch Untersuchungen mit älteren Menschen in einem
Forschungsprojekt zusammen mit dem Zentrum für Geriatrie und
Gerontologie Freiburg (ZGGF) und dem Institut für Psychologie der
Universität Freiburg. Eine gemeinsame Studie zur Wirkung von auch
nur geringen Mengen Alkohol wird gegenwärtig zusammen der
Psychiatrischen Universitätsklinik begonnnen.
Im Internet kann sich jeder Interessent mit dem jeweils neuesten Stand
unserer Forschung und Aktivitäten vertraut machen:
http://www.optomotorik.de/
- Biscaldi M, Fischer B, and Aiple F (1994) Saccadic eye movements of
dyslexic and normal reading children. Perception 23: 45-64
- Biscaldi M, Fischer B, and Stuhr V (1996) Human express-saccade
makers are impaired at suppressing visually-evoked saccades. J
Neurophysiol 76: 199
- Biscaldi M, Weber H, Fischer B, Stuhr V (1995) Mechanism of fixation
in man: evidence from saccadic reaction times. In: Findlay JM, Walker R,
Kentridge RW (eds) Eye Movement research Mechanisms, Processes and
Applications (Vol 6). Elsevier - North-Holland, Amsterdam , pp
145-155
- Boch R (1989) Saccadic reaction times after chemical lesions in
striate and prestriate cortex of the rhesus monkey.
Invest.Ophthal.Vis.Sci. 30: 184
- Braun D, Weber H, Mergner T, and Schulte-Mönting J (1992)
Saccadic reaction times in patients with frontal and parietal lesions.
Brain 115: 1359-1386
- Cavegn D (1996) Bilateral interactions in saccade programming: A
saccade latency study. Exp-Brain-Res 109: 312-332
- Cavegn D, and Biscaldi M (1996) Fixation and saccade control in an
express-saccade maker. Exp Brain Res 109:101-116
- Currie J, Ramsden B, McArthur C, and Maruff P (1991) Validation of a
clinical antisaccadic eye movement test in the assessment of dementia.
Archives of Neurology 48: 644-648
- Fischer B (1973) Overlap of receptive field centers and
representation of the visual field in the cat's optic tract. Vision Res
13: 2113-2120
- Fischer B (1987) The preparation of visually guided saccades. Rev
Physiol Biochem Pharmacol 106: 1-35
- Fischer B, Biscaldi M, Gezeck S (1996) On the development of
voluntary and reflexive components in saccade generation. Submitted
- Fischer B, Biscaldi M, and Otto P (1993) Saccadic eye movements of
dyslexic adult subjects. Neuropsychologia 31: 887-906
- Fischer B, and Boch R (1983) Saccadic eye movements after extremely
short reaction times in the monkey. Brain-Res 260: 21-26
- Fischer B, Gezeck S, and Huber W (1995) The three-loop-model: A
neural network for the generation of saccadic reaction times. Biol
Cybern 72: 185-196
- Fischer B, and May HU (1970) Invarianzen in der Katzenretina:
Gesetzmä ige Beziehungen zwischen Empfindlichkeit, Grö e und
Lage rezeptiver Felder von Ganglienzellen. Exp-Brain-Res 11: 448-464
- Fischer B, and Ramsperger E (1984) Human express saccades: extremely
short reaction times of goal directed eye movements. Exp-Brain-Res 57:
191-195
- Fischer B, and Weber H (1992) Characteristics of "anti" saccades in
man. Exp-Brain-Res 89: 415-424
- Fischer B, and Weber H (1993) Express Saccades and Visual Attention.
Behav.& Brain Sciences 16,3: 553-567
- Fischer B, and Weber H (1994) From saccades to fixation. Swiss J
Psychol 53: 135-150
- Fischer B, and Weber H (1996) Research note: effects of procues on
error rate and reaction times of antisaccades in human subjects. Exp
Brain Res 109: 507-512
- Fischer B, Weber H (1996) Effects of anticues on prosaccades:
voluntary versus automatic attention allocation. Submitted
- Fischer B, Weber H, and Biscaldi M (1993) The time of secondary
saccades to primary targets. Exp-Brain-Res 97: 356-360
- Fischer B, Weber H, Biscaldi M, Aiple F, Otto P, and Stuhr V (1993)
Separate populations of visually guided saccades in humans: reaction
times and amplitudes. Exp-Brain-Res 92: 528-541
- Gezeck S, Fischer B, and Timmer J (1996) Saccadic Reaction Times: A
Statistical Analysis of Multimodal Distributions. Vision Res. Submitted
- Guitton D, Buchtel HA, Douglas RM (1982) Disturbances of voluntary
saccadic eye movement mechanisms following discrete unilateral frontal
lobe removals. In: Lennerstrand G, Zee DS, Keller EL (eds) Functional
Basis of Ocular Motility Disorders. Pergamon Press, Oxford, pp 497-500
- Guitton D, Buchtel HA, and Douglas RM (1985) Frontal lobe lesions in
man cause difficulties in suppressing reflexive glances and in
generating goal-directed saccades. Exp-Brain-Res 58: 455-472
- Hallett P (1978) Primary and secondary saccades to goals defined by
instructions. Vision Res 18: 1279-1296
- Hallett PE, and Adams BD (1980) The predictability of saccadic
latency in a novel voluntary oculomotor task. Vision Res 20: 329-339
- Hikosaka O, and Wurtz RH (1985) Modification of saccadic eye
movements by GABA-related substances. II. Effects of muscimol in monkey
substantia nigra pars reticulata. J-Neurophysiol 53: 292-308
- Hikosaka O, and Wurtz RH (1986) Saccadic eye movements following
injection of lidocaine into the superior colliculus. Exp-Brain-Res 61:
531-539
- Johnson MH (1995) The inhibition of automatic saccades in early
infancy. Developmental Psychobiology 28: 281-291
- Levy DL (1996) Location, location, location: The pathway from
behavior to brain locus in schizophrenia. In: Matthysse SW, Levy DL
(eds) Psychopathology: The Evolving Science of Mental Disorder.
Cambridge University Press, Cambridge, pp 100-126
- Mackeben M, and Nakayama K (1993) Express attentional shifts. Vision
Res 33: 85-90
- Mayfrank L, Mobashery M, Kimmig H, and Fischer B (1986) The role of
fixation and visual attention in the occurrence of express saccades in
man. European Archives of Psychiatry & Neurological Sciences 235:
269-275
- Mishkin M, Ungerleider LG, and Macko KA (1983) Object vision and
spatial vision: two cortical pathways. Trends Neurosci. 6: 414-417
- Muri RM, Hess CW, and Meienberg O (1991) Transcranial stimulation of
the human frontal eye field by magnetic pulses. Exp-Brain-Res 86:
219-223
- Nakayama K, and Mackeben M (1989) Sustained and transient components
of focal visual attention. Vision Res 29: 1631-1647
- Rogal L, and Fischer B (1986) Eye-hand-coordination: a model for
computing reaction times in a visually guided reach task. Biol Cybern
55: 263-273
- Sandell JH, Schiller PH, and Maunsell JHR (1984) The effect of
superior colliculus and frontal eye field lesions on saccadic latency in
the monkey. Perception 13:A6:
- Saslow MG (1967) Effects of components of displacement-step stimuli
upon latency for saccadic eye movement. J Opt Soc Am 57: 1024-1029
- Schiller PH, Sandell JH, and Maunsell JH (1987) The effect of
frontal eye field and superior colliculus lesions on saccadic latencies
in the rhesus monkey. J-Neurophysiol 57: 1033-1049
- Weber H, Aiple F, Fischer B, and Latanov A (1992) Dead zone for
express saccades. Exp Brain Res 89: 214-222
- Weber H, Braun D, Mergner T (1991) The effect of frontal and
parietal lesions on saccadic reaction time. Proceedings of the sixth
European Conference on Eye Movements 40-41(Abstract)
- Weber H, and Fischer B (1995) Gap duration and location of attention
focus modulate the occurrence of left/right asymmetries in the saccadic
reaction times of human subjects. Vision Res 35: 987-998
- Weber H, Fischer B (1996) Effects of procues on the execution of
antisaccades. Neuroforum Supplement 1: 194(Abstract)
- Weber H, Fischer B, and Biscaldi M (1994) Differential effects of
randomization on the occurence of human express saccades. Soc Neurosci
Abstr 1: [107.1]-233
- Wurtz R, and Hikosaka O (1986) role of the basal ganglia in the
initiation of saccadic eye movements. progress in brain research 64:
175-190