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Hören
Wir hören nicht mit den Ohren, sondern mit dem Gehirn.
Es genügt nicht, dass man verschiedene Töne überhaupt
wahrnimmt, sondern man muss sie auch unterscheiden
und interpretieren können. Die Voraussetzungen dazu
werden durch noch sprachfreie Hörverarbeitungsprozesse
im Gehirn geschaffen. Um sie zu prüfen muss die
auditive Unterscheidungsfähigkeit
geprüft werden. Dies ist heute mit neuen
Methoden möglich geworden.
Bedeutung
Genaues Hören ist wichtig nicht nur zum Verstehen gesprochener
Sprache, bei vielen Worten gibt das Hören auch wichtige Hinweise
für die korrekte Rechtschreibung.
Forschungs-Gebiet
Gutes Hören erfordert mehr als nur gesunde Ohren.
Gehörtes wird von Gehirn in
unterschiedlichen Zentren auf viele unterschiedliche Aspekte hin
untersucht, deren Funktion mit einfachen Tests getrennt geprüft
werden können. Diese Tests wurden entwickelt
in Zusammenarbeit mit
Prof. Ptok
von der
Klinik Phoniatrie und Pädaudiologie
der
Medizinischen Hochschule Hannover.
Untersuchungs-Methode
Mit tragbaren Geräten können fünf sprachfreie Tests
der auditiven Differenzierung durchgeführt werden.
Die Geräte sind physikalisch kalibriert und
die Altersnormdaten von 478 Kontrollpersonen im
Alter zwischen 7 und 35 Jahren liegen vor.
Forschungs-Erkenntnisse
Altersentwicklung
Wie auch beim Sehen und der Blicksteuerung durchläuft
die auditive Differenzierungsfähigkeit eine lang
anhaltende Alters-Entwicklung, die bis ins Erwachsenenalter
hinein reicht. Das heißt, dass in der gesamten Schulzeit
noch nicht die Werte von Erwachsenen erreicht werden.
Entwicklungsrückstände
Mit den altersnormierten Verfahren lassen sich
Entwicklungsrückstände leicht feststellen.
Die Vergleichsgrafik zeigt dies am Beispiel einer
Gruppe von legasthenischen Kindern.
Auch bei anderen Lern- und Entwicklungsproblemen
kann die sprachfreie Hörwahrnehmung betroffen sein.
Die Auffälligkeitsquoten liegen zwischen 30% und 70%
je nach Unterfunktion.
Trainings-Effekt
Wie andere Hirnfunktionen lässt sich auch die
auditive Differenzierungsfähigkeit durch gezieltes
tägliches Üben verbessern.
Allerdings sind die verschiedenen Unterfunktionen
verschieden schwer zu erlernen.
Die Grafik zeigt die schlechten Leistungen
(rote Säulen) vor dem Training im Vergleich
zu den guten Leistungen (blaue Säulen) nach
dem Training. Die Zahlen über den Säulen geben
die Erfolgsquoten an. Die grünen Säulen zeigen
die mittleren Leistungen der erfolgreichen Kinder,
das bedeutet: wenn das Hörtraining funktioniert,
geht es schnell (10 Tage pro Aufgabe) und richtig gut.
Studien, Literatur-Hinweise
Fischer B.
Studien zur sprachfreien auditiven Differenzierung bei Legasthenie
Forum Logopädie,
Heft 3 (21) Mai 2007, S. 30-35
(Volltext als PDF-Datei)
Schäffler T, Sonntag J, Fischer B (2004)
The effect of daily practice on low level auditory discrimination, phonological kills, and spelling in dyslexia.
Dyslexia, Volume 10, Issue 2, 2004. Pages 119-130
(abstract)
Fischer B, Hartnegg K (2004)
On the development of low level auditory discrimination and deficits in dyslexia.
Dyslexia, Volume 10, Issue 2, 2004. Pages 105-118
(abstract)
Schäffler T, Sonntag J, Fischer B (2003)
Sprachfreies Hörtraining: Transfer auf sprachgebundene Lautunterscheidung und Rechtschreibung.
die AKZENTE, Heft 60, Seiten 19-21
Fischer B, Schäffler T, Sonntag J (2002)
Sprachfreie auditive Differenzierung bei LRS und ADHD: Entwicklung, Auffälligkeiten und Trainingserfolge.
die AKZENTE, Heft 55/56, Seiten 38-41
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