Universität Freiburg, AG Optomotorik  
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Optomotorik > Wahrnehmung > Blicken > Verfahren

Verfahren zur Prüfung der Blicktüchtigkeit

Das Verfahren beruht auf der Tatsache, dass die Steuerung der Blickrichtung im Gehirn durch das Zusammenspiel von verschiedenen Funktionen geschieht, die durch getrennte neuronale Systeme gewährleistet werden: Ein System dient zur Aufrechterhaltung der aktiven Fixation (eine parietale und tektale Funktion), ein weiteres im wesentlichen subcortikales System zur reflektorischen Sakkadensteuerung (reflexive Blicksprünge) und ein frontales System zur Erzeugung willentlich gesteuerter Blicksprünge. Hinzu kommen die Kontrollfunktionen der Aufmerksamkeit. Aktive Fixation und gerichtete Aufmerksamkeit hemmen die reflexhaften Blicksprünge.

Ausfall oder mangelhafter Funktion eines oder mehrerer dieser Prozesse durch mangelhafte Entwicklung, Verletzungen, Erkrankungen, Degenerationen, durch Medikamente oder Drogen bewirken charakteristische Veränderungen der Blicksteuerung.

Dazu müssen die Bewegungen der Augen mit einer zeitlichen Genauigkeit von 1/1000 Sekunde und einer räumlichen Auflösung von etwa 0,1 Grad gemessen werden. Unsere Messung erfolgt mit infrarotem Licht gefahrlos und berührungsfrei durch Analyse des von den äußeren Augenmedien reflektierten Lichts. Die Infrarotlichtquellen und die Empfangselemente sind mittels eines Plastikbandes auf dem Kopf befestigt. Wir verfügen über verschiedene Geräte, deren gesamte Messeinrichtung z.T. von Kopfbewegungen relativ unabhängig ist und eine Fixierung des Kopfes (bei Kindern, Patienten und alten Menschen oft problematisch) unnötig macht. Es handelt sich also um ein nicht-invasives, einfaches Verfahren, das eine objektive Messung der Augenmotorik in der medizinischen Diagnostik ermöglicht.

Die Nützlichkeit einer solchen Messung wurde bereits in gesonderten klinischen Studien in verschiedenen Labors und Kliniken der Welt wissenschaftlich bestätigt, um psychiatrische und neurologische Krankheitsbilder und die daran beteiligten Hirnstrukturen besser zu verstehen.

Wir haben ein Verfahren entwickelt, in dem verschiedene einfache Einzelaufgaben so kombiniert sind, dass die drei o.g. grundlegenden Blick-Funktionen Fixation, Reflexe und willentliche Blicksteuerung getrennt überprüft werden können. Das Verfahren kann in ungefähr 45 Minuten durchgeführt werden. Die standardisierten Normdaten von ca. 300 Personen verschiedener Altersstufen sind erhoben worden und dienen zur Beurteilung, ob die Messwerte einer Person altersgerecht sind.

Insbesondere erweist sich die Anwendung des Verfahrens bei teilleistungsgestörten Kindern als unersetzlich, da andere neurophysiologische Untersuchungsmethoden in diesen Fällen kaum Auskünfte über die zugrunde liegenden sehr subtilen senso-motorischen Auffälligkeiten geben können.

Die von uns durchgeführte Untersuchung von mehr als 100 teilleistungsgestörten Kindern beeinflusst bereits deren Behandlung in Institutionen, mit denen wir in den letzten Jahren eng zusammengearbeitet haben.


 © 1995-2002 Arbeitsgruppe Optomotorik der Universität Freiburg