Universität Freiburg, AG Optomotorik  
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Optomotorik > Wahrnehmung > Blicken > Anti-Sakkaden

Anti-Sakkaden

"klingt verrückt, ist aber erstaunlich aufschlussreich"

An der Antisakkaden-Aufgabe (s.u.) wurde anfangs kritisiert, dass sie irrelevant sei, weil solche Augenbewegungen im Alltag nicht auftreten. Dieses Argument ist unlogisch, denn die Antisakkaden-Aufgabe wurde erdacht, um reflexive und willentliche Blicksprünge getrennt untersuchen zu können. Diese treten sehr wohl beide im Alltag auf, nur sind sie dann nicht leicht voneinander zu unterscheiden. Die Augenbewegungen werden von mehreren Hirnregionen gesteuert. Beispielsweise werden reflexive Blicksprünge auf überraschend auftauchende Dinge von anderen Hirnstrukturen erzeugt, als bewusste willentliche Blicksprünge. Normalerweise kann man einem Blicksprung nicht ansehen, von welcher Hirnregion er ausgelöst wurde. Mit Hilfe der Anti-Aufgabe werden diejenigen Blicksprünge, die vom Frontalhirn gesteuert werden, in eine andere Richtung gelenkt. Dadurch können die Leistungen der betroffenen Hirnregionen einzeln analysiert werden.

Die Aufgabe

Die Versuchsperson sieht zunächst einen Fixationspunkt, dann erscheint zufällig ausgewählt links oder rechts ein zweiter Punkt. Die Aufgabe lautet, zuerst den Fixationspunkt anzusehen und bei Erscheinen des zweiten Punktes nicht zu diesem hin, sondern in die entgegengesetzte Richtung zu blicken. Obwohl diese Aufgabe sehr leicht klingt, machen dennoch alle Menschen hierbei mehr oder weniger viele Fehler (typischerweise 20%), insbesondere wenn der Fixationspunkt 200 Millisekunden vor Auftauchen des zweiten Punktes verschwindet, weil dadurch die Fixation gelöst wird, was die reflexiven Express-Sakkaden begünstigt, die in die andere Richtung gehen.

Interpretation der Ergebnisse

Die Reflexe ziehen die Blicksprünge zum neu erschienenen Reiz hin, jedoch die Blicksprünge, die gemäß der Aufgabenstellung richtig sind, gehen in die entgegengesetzte Richtung.

Viele der 'falschen' Blicksprünge werden korrigiert. Analysiert wird die Anzahl falsche Blicksprünge, die Reaktionszeit der richtigen und falschen Blicksprünge, die Korrektur-Quote und die Korrektur-Zeit. Diese Werte unterliegen einer sehr starken Altersentwicklung. Die Ergebnisse werden mit Werten einer Gruppe von gleichaltrigen Kontrollpersonen verglichen. Je nach Art der gefundenen Abweichungen lassen sich Rückschlüsse auf Entwicklungsrückstände der Blick-Steuerung in den verschiedenen beteiligten Hirnregionen ziehen.

Wahrnehmung der Blicksprünge

Interessanterweise nehmen Menschen etwa die Hälfte der Fehler, die sie in dieser Aufgabe machen, nicht bewusst wahr. Diese Quote gilt sowohl für korrigierte, als auch für unkorrigierte Fehler. Fehler, die sehr schnell korrigiert werden, werden praktisch alle nicht bewusst wahrgenommen. In dieser Situation schaffen Menschen es auch, die Bewegung der Augen sehr schnell umzukehren, nämlich in weniger als 100 Millisekunden, was unter anderen Bedingungen sonst nicht auftritt und von fast allen Menschen auch nicht absichtlich so gesteuert werden kann.

Mehr Informationen zu Anti-Sakkaden finden Sie im älteren englischen Text Anti Saccades.


 © 1999-2004 Arbeitsgruppe Optomotorik der Universität Freiburg